Neonazis in den Medien

By aufrechtgehen

“Mit Bierflaschen und einem Spaten sollen sie zugeschlagen haben: Bei einem Überfall von Rechtsextremisten auf ein Sommercamp der Linken in Nordhessen wurde ein 13-jähriges Mädchen lebensgefährlich verletzt. (…) Der Sprecher des hessischen Innenministeriums, Thorsten Neels, kritisierte den Landesverband der Linken für seine Informationspolitik. Man sei “äußerst irritiert” darüber, dass der Verband bereits vor der Staatsanwaltschaft über den Fall berichtet habe. Damit habe die Linke Informationen verbreitet, die das Ministerium nicht öffentlich an die Obleute der Landtagsfraktionen im Innenausschuss gegeben habe.”

So berichtet es der Spiegel. Und es ist wahr: Die Medien haben endlich beschlossen von den Gräueltaten der Neonazis auch zu berichten – nicht ganz freiwillig, aber immerhin.

Es ist wahrlich befremdlich, wenn sich ein Mensch einbildet politisch legitimiert zu sein ein schlafendes Kind mit einem Spaten zu misshandeln. Noch mehr versetzt jedoch in Grauen, was denn diejenigen dazu zu sagen haben, die beständig in Hetzkampagnen den Eindruck hinterließen, bei politisch linken Parteien und deren Anhängern handele es sich um minderwertige und in ihrer Meinungsfreiheit nicht ernstzunehmende ‘Unpersonen’. Dass hierdurch für ‘geistig nicht ganz so ausgestattete Lebewesen’ der Eindruck entstehen kann, dass ihre Menschenverachtung mehrheitsfähig sei, mag den entsprechenden Politikern bei der Schaffung ihrer Hetze nicht bewusst gewesen sein. Dass man sein Verhalten jedoch auch jetzt noch – da die Folgen klar und unleugbar auf der Hand liegen – nicht im geringsten zu überdenken bereit ist, lässt doch sehr tief blicken.

Interessant daran ist weiter, dass der Sprecher des hessischen Innenministeriums sich darüber ‘irritiert’ zeigt, dass die Linke über den Vorfall berichtete und er so nicht wieder unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt werden konnte.

Ohne an dieser Stelle weiter auf das unsägliche Verbrechen einzugehen: Solche Arten von Irritationen braucht unsere Gesellschaft öfters, dass irgendwer – entgegen der unter Politikern offenbar so verbreiteten Meinung, man müsse die Bevölkerung nicht informieren – beschließt, dass man nicht alles verheimlichen sollte.

Aber wenn man sich in diesem Falle nun nicht mehr der Informationspflicht entziehen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass dies für die nächsten Neonazi-Überfälle auch gilt. Es bedeutet auch nicht, dass man nun gewillt sei einmal ernsthaft über politische Bildung, Demokratieerziehung, Menschenrechtsbildung und die Schaffung einer durch Bildung fundierten Förderung der Zivilcourage im Sinne einer ‘gelebten Demokratie’ nachzudenken und die längst notwendigen Schritte unternehmen wird.

Hierzu müssen offensichtlich Regierungsparteien als auch Oppositionsparteien erst durch die Bevölkerung genötigt werden. Aber das eine Bildung zur Förderung der Zivilcourage erst durch Zivilcourage eingefordert werden muss, lässt doch recht deutlich ablesen, dass hier eine Menge Arbeit zu bewältigen ist…

Mit bestem Dank an © Thorsten Lux (Gießen)

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